Literaturhaus Hamburg im Februar

thomas bernhard zum achtzigsten
literaturhaus, mittwoch, 2. februar, 19.00/20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
19.00 Uhr: ARTE-Preview von „Thomas Bernhard. Die Kunstnaturkatastrophe“, Dokumentation von Norbert Beilharz, ARTE/WDR 2010
20.00 Uhr: Helmut Mooshammer und Felix Dürr lesen aus dem Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld

bascha mika
literaturhaus, donnerstag, 3. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Bascha Mika stellt ihr neues Buch „Die Feigheit der Frauen“ vor – im Gespräch mit Heide Simonis

literatursoiree: péter esterházy
literaturhaus, dienstag, 8. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Andreas Isenschmid trifft Péter Esterházy. Ein Gespräch

spaß mit büchern: angelika bartram
literaturhaus, mittwoch, 9. februar, 15.30 uhr, eintritt frei
Angelika Bartram liest Dreiminuten-Zahnputzgeschichten

ein wolf-von-niebelschütz-abend
literaturhaus, donnerstag, 10. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-
„Wer da wagen wollte, Phantasie zu haben …“
Johannes Saltzwedel stellt den großen Erzähler Wolf von Niebelschütz vor. Stephan Schad liest ausgewählte Texte

arno geiger
literaturhaus, dienstag, 15. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Arno Geiger liest aus seinem neuen Buch „Der alte König in seinem Exil“
Felicitas von Lovenberg moderiert

philosophisches café: götz w. werner
literaturhaus, mittwoch, 16. februar, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Thema: Grundeinkommen – Eine Flatrate für die Freiheit
Gast: Götz W. Werner, Reinhard Kahl moderiert

gisela von wysocki
literaturhaus, donnerstag, 17. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-
Gisela von Wysocki stellt ihr Buch „Wir machen Musik“ vor
Ursula Keller moderiert

poetry slam mit team&struppi
literaturhaus, montag, 21. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-
Kampf der Künste präsentiert: Die Team&Struppi-Show „Jenseits von allem“ mit den Gästen Andy Strauß und Spaceman Spiff

thomas glavinic
literaturhaus, dienstag, 22. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Thomas Glavinic liest aus seinem neuen Roman „Lisa“
Richard Kämmerlings moderiert

gedankenflieger – philosophieren mit kindern
literaturhaus, donnerstag, 24. februar, 15.30 uhr, eintritt frei
Thema: Wer bin ich und kann ich mich verwandeln?
Mit Kristina Calvert und Sabine Dittmer

nicole krauss
literaturhaus, freitag, 25. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Nicole Krauss liest aus ihrem neuen Roman „Das große Haus“
Anne Weber liest den deutschen Text
Elmar Lüth moderiert

literaten im hotel: alex capus
hotel wedina (gurlittstr. 23), sonntag, 27. februar, 17.00 uhr, eintritt frei
Alex Capus liest aus seinem Roman „Léon und Louise“
Felix Schlatter begrüßt

sta*-club – schüler treffen autoren: mischa-sarim vérollet
literaturhaus, montag, 28. februar, 19.00 uhr, eintritt frei
Mischa-Sarim Vérollet liest aus seinem Debüt „Warum ich Angst vor Frauen habe“

thomas bernhard zum achtzigsten
19.00 Uhr: ARTE-Preview von „Thomas Bernhard. Die Kunstnaturkatastrophe“, Dokumentation von Norbert Beilharz, ARTE/WDR 2010
20.00 Uhr: Helmut Mooshammer und Felix Dürr lesen aus dem Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld

Am 9. Februar 2011 wäre Thomas Bernhard achtzig Jahre alt geworden. Auch zweiundzwanzig Jahre nach seinem Tod haben seine Werk und seine Person nichts von ihrer provokativen Wirkung verloren – Anlass genug, dass alle elf zum Verbund literaturhaus.net gehörenden Literaturhäuser eine Thomas-Bernhard-Soiree ausrichten. Im Mittelpunkt des Hamburger Abends steht eine von Brigitte Landes erarbeitete szenische Lesung des grandiosen, bei Suhrkamp erschienenen Briefwechsels, den Thomas Bernhard mit seinem Verleger Siegfried Unseld führte.

Zuvor ist als Preview die Thomas-Bernhard-Dokumentation des Stuttgarter Filmautors Norbert Beilharz zu sehen, die am 7. Februar 2011, 22.35 Uhr, auf ARTE ausgestrahlt wird. Dieser ging an drei Orten auf Spurensuche: in Salzburg, in Ohlsdorf in Oberösterreich und in Wien. Dabei geben Weggefährten, Freunde und Zeitzeugen Auskunft, die sich zum Teil noch nie öffentlich über Thomas Bernhard geäußert haben: die Opernsängerin Catarina Ligendza, die über zehn Jahre mit Bernhard befreundet war, der Studienkollege und Regisseur Klaus Gmeiner, in Oberösterreich der Gastwirt Sepp Fürtbauer sowie der Zeichenlehrer Gerhard Weigel, der Thomas Bernhard über Jahrzehnte auf seinen Spaziergängen begleitete – in Wien der Schauspieler Gert Voss, dem Bernhard das Stück „Ritter, Dene, Voss” auf den Leib schrieb. Stimmen von zwei Künstlern der Gegenwart – Daniel Kehlmann und Stefan Hunstein – runden den Film ab.

Eine Veranstaltung von literaturhaus.net in Kooperation mit dem Medienpartner ARTE
Der Eintritt zur Preview ist frei.

literaturhaus, mittwoch, 2. februar, 19.00/20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

bascha mika
stellt ihr neues Buch „Die Feigheit der Frauen“ vor – im Gespräch mit Heide Simonis

Hier spricht eine Klartext: Frauen, so behauptet Bascha Mika in ihrem Buch „Die Feigheit der Frauen” (C. Bertelsmann), wollen heutzutage weder selbstbestimmt noch gleichberechtigt sein. In ihrer Streitschrift fordert die Autorin, die elf Jahre lang als einzige Chefredakteurin einer überregionalen Zeitung Deutschlands die Geschicke der „taz” gelenkt hat, ein neues weibliches Selbstbewusstsein: Frauen haben in diesem Land wenig zu melden, und das lassen sie nicht nur zu, sondern damit geben sie sich seit Jahrzehnten auch zufrieden. Bascha Mika hat eine Kampfansage an alle verfasst, die sich in den Verhältnissen allzu gemütlich eingerichtet haben: Ihrer Meinung nach geben Frauen nicht zu, dass sie in Rollenfallen getappt sind und erneut die konservativen Lebensmuster leben, gegen die ihre Mütter aufbegehrt haben. Mika fragt, was geschieht, wenn sich die gefühlte Gleichberechtigung als Trugbild entlarvt.

„Die Feigheit der Frauen” ist ein Gesellschaftsreport über die Zustände zwischen den Geschlechtern. Bascha Mika, die sich selbst von der Kritik nicht ausnimmt, fordert vom weiblichen Teil der Gesellschaft den Mut, das eigene Leben zu entwerfen und sich den Verlockungen bequemer Rollenzuschreibungen zu verweigern. Die streitbare Publizistin polemisiert bewusst in scharfem Ton und fordert ein grundlegendes Umdenken. Sie dokumentiert und verdichtet Erfahrungen von Frauen, reflektiert und bewertet weibliche Existenz, indem sie auf wissenschaftliche und alltagspraktische Befunde zugreift. Damit analysiert Mika, welche Mechanismen Frauen konditionieren, so dass sie glauben, keine andere Wahl zu haben. Das Buch zeigt die Rechtfertigungsmuster auf und leuchtet den dramatischen öffentlichen Hintergrund aus. Die Botschaft ist eindeutig: Selbstbestimmung ist möglich, aber sie wird die Frauen auch etwas kosten.

Im Literaturhaus wird Bascha Mika mit Heide Simonis, der Autorin des Buches „Unter Männern” und ehemaligen Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, diskutieren.
Eine Kooperation mit dem Literaturzentrum | Medienpartner NDR Info

literaturhaus, donnerstag, 3. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

literatursoiree: péter esterházy
Andreas Isenschmid trifft Péter Esterházy. Ein Gespräch

Wo Monat für Monat Autorinnen und Autoren ihre druckfrischen Neuerscheinungen präsentieren und wo leidenschaftlich über aktuelle Strömungen der Literaturen debattiert wird, da tut es mitunter gut, sich aus dem immer schneller rotierenden Literaturbetrieb zu entfernen, die Langsamkeit wiederzuentdecken und über grundsätzliche ästhetische Fragen nachzudenken. Die Reihe „Literatursoiree” schafft einen solchen Raum. Philologen, Literaturkritiker oder Schriftsteller treten hier auf die Bühne, um die Grundfragen der Literatur in ein neues Licht zu rücken und Zusammenhänge herzustellen, für die das Feuilleton immer weniger Platz zur Verfügung stellt. Unkonventionalität ist dabei gefragt – und der Mut, festgefahrene Bahnen zu verlassen und den Eigensinn des Literarischen zu stärken.

Moderator der „Literatursoiree” ist der Literaturkritiker Andreas Isenschmid („Die Zeit”, „Neue Zürcher Sonntagszeitung”). Als seinen fünften Gast begrüßt er den 1950 geborenen ungarischen Schriftsteller und Essayisten Péter Esterházy, dessen epochaler Roman „Harmonia Caelestis” auch hierzulande viele Leser fand. Vor kurzem veröffentlichte der Berlin Verlag Esterházys im Original bereits 1979 erschienenen „Produktionsroman”, der ihn seinerzeit mit einem Schlag bekannt machte und der für manchen Ärger im sozialistischen Ungarn sorgte. Esterházys Werk wurde unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und dem Deutschen Fußball-Kulturpreis ausgezeichnet – auch das ein Indiz für den Reichtum seines Schaffens und für seine ästhetischen Möglichkeiten. An Themen – das steht zu vermuten – dürfte es also kaum mangeln, wenn Andreas Isenschmid mit seinem renommierten Gast ins Gespräch kommen wird.

Mit Unterstützung der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. | Kulturpartner NDR Kultur

literaturhaus, dienstag, 8. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

spaß mit büchern: angelika bartram
liest Dreiminuten-Zahnputzgeschichten

Die kleine Fee Zilli will unbedingt Zuckerfee werden, sie liiiebt Süßigkeiten. Aber ein furchtbar schmerzender Backenzahn weckt in Zilli eine andere Leidenschaft: Zähne. Weil sie nun weiß, was passiert, wenn man zu viele Süßigkeiten isst, wird sie eine Zahnfee. Und so erzählt sie in zehn lustigen Geschichten von ihren Erlebnissen in der Zahnschule, vom Putzervogel, von Wackelzähnen und vom Daumennuckeln. Und vermittelt Kindern ganz nebenbei, wie wichtig Zähne für uns sind. So macht Zähneputzen Spaß!

Angelika Bartram hat sich mit witzig-fantastischer Unterhaltung in Theater, Hörfunk und Fernsehen einen Namen gemacht. Sie arbeitete für die „Sesamstraße” und schrieb zusammen mit Jan-Uwe Rogge Bücher, die bei rotfuchs erschienen sind. Außerdem entwickelte die Kölner Autorin das phantastische Erzähltheater. Die Dreiminuten-Zahnputzgeschichten sind von Zahnärzten empfohlen.

In Kooperation mit dem Jugendinformationszentrum (jiz) | Für Kinder ab 5 Jahren

literaturhaus, mittwoch, 9. februar, 15.30 uhr, eintritt frei

ein wolf-von-niebelschütz-abend
„Wer da wagen wollte, Phantasie zu haben …“ Johannes Saltzwedel stellt den großen Erzähler Wolf von Niebelschütz vor. Stephan Schad liest ausgewählte Texte

Venus lachte. … „Ich wollte nur sagen: Kinder, genießt das XVIIIte Jahrhundert, das XIXte wird fürchterlich. Aber das XXte!” – und sie gruppierte ihre Hand auf der Brust – „gnade Gott Eurer armen progéniture. Wer da wagen wollte, Phantasie zu haben, oder Rang, oder Brillanten, oder ein Pantherfell! wer da wagen wollte, unter blau-silbernem Baldachin publiquement zum Connubio zu schweben …”
Aus dem „Blauen Kammerherrn”, 4. Band, 8. Capitel

1949 erschien – bei Suhrkamp – ein vierbändiges Erzählwerk, das wie vom Mond gefallen, zumindest schwer epochal verspätet schien: „Der blaue Kammerherr”, eine hintersinnige Rokoko-Phantasie in antikischen Gefilden, luxuriös wie ein gewaltiges Tiepolo-Fresko entworfen nach Hofmannsthals hinterlassenem Dramenplan „Die Liebe der Danae”. Jahrelang hatte der Autor Wolf von Niebelschütz (1913 – 1960) an seinem Hauptwerk gefeilt. Damals inmitten der Kahlschlag-Literatur als unzeitgemäß beargwöhnt, ist seine Formkunst bis heute eine Delikatesse für Genießer mit Esprit geblieben – und ein Beleg dafür, dass die deutschsprachige Nachkriegsliteratur weitaus weniger einförmig auftrat, als es das klischierte Bild von ihr behauptet. Oder mit Walter Boehlich zu sprechen: ein Roman, „der die gesamte Elendsliteratur durch seine Poesie, Schönheit und Kunstfertigkeit überragt, der die Welt verklärt, statt sie zu trüben”.

Zum 50. Todestag des Autors hat kürzlich der Verlag Kein & Aber den „Blauen Kammerherrn” und Niebelschützens zweites Hauptwerk, sein fesselndes Mittelalter-Panorama „Die Kinder der Finsternis” (1959), neu herausgebracht. Johannes Saltzwedel, Redakteur beim „Spiegel” und seit Jahren von Niebelschütz begeistert, stellt in einer vergnüglichen, abwechslungsreichen Soiree den Virtuosen deutscher Sprache und seine beiden Geheim-Klassiker vor – auch anhand kaum bekannter Miniaturen aus frühen Jahren.

literaturhaus, donnerstag, 10. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-

arno geiger
liest aus seinem neuen Buch „Der alte König in seinem Exil“
Felicitas von Lovenberg moderiert

Das Thema Demenz wurde in den letzten Jahren bereits mehrfach in der Literatur verarbeitet. Nach Martin Suters „Small World” waren es zum Beispiel auch Inge und Tilman Jens, die die fortschreitende Erkrankung ihres Mannes bzw. Vaters Walter Jens beschrieben. Jetzt hat der österreichische Erzähler Arno Geiger die Demenz seines Vaters zum Thema seines neuen Buches „Der alte König in seinem Exil” gemacht, indem er von seinen Besuchen bei ihm und den Veränderungen, die die „Krankheit des Jahrhunderts” bei allen Beteiligten bewirkt, berichtet. Diese löst langsam die Erinnerung und die Orientierung des Vaters in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen und das Gefühl der Heimatlosigkeit entstehen: „Die Abende sind es, die einen Vorgeschmack auf das liefern, was bald schon der Morgen zu bieten haben wird. Denn wenn es dunkel wird, kommt die Angst. Da irrt der Vater rat- und rastlos umher wie ein alter König in seinem Exil. Dann ist alles, war er sieht, beängstigend, alles schwankend, instabil, davon bedroht, sich im nächsten Moment aufzulösen. Und nichts fühlt sich an wie zu Hause.”

Das Überraschende an dem Buch, das im Hanser Verlag erscheint, ist Geigers Art, über die Erkrankung seines Vaters zu schreiben. Der Text ist zwischen reflektierendem Sachbuch und sehr persönlicher, berührender Erzählung angesiedelt. Arno Geiger gelingt es, mit seinem Vater auf eine einzigartige Weise zu kommunizieren. Er entwickelt dabei ein neues, ein anderes Verstehen, fast so, als ob man eine andere, eine veränderte Sprache entwickeln würde. Und trotz der traurigen Gewissheit um die Unaufhaltsamkeit der Krankheit ist Arno Geiger ein sehr lebendiges, leichtes und oft komisches Buch gelungen. Der 1968 in Bregenz geborene Arno Geiger ist spätestens seit seinem Roman „Es geht uns gut”, für den er im Jahr 2005 den ersten Deutschen Buchpreis gewann, und dem viel gelobten Eheroman „Alles über Sally” als einer der besten deutschsprachigen Autoren der mittleren Generation bekannt.

Medienpartner NDR Kultur & NDR Info

literaturhaus, dienstag, 15. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

philosophisches café: götz w. werner
Thema: Grundeinkommen – Eine Flatrate für die Freiheit
Gast: Götz W. Werner, Reinhard Kahl moderiert

„Was früher Grund und Boden war, ist heute das Grundeinkommen; das Äquivalent zum freien Mann auf freier Scholle.”

Das Thema Grundeinkommen irritiert. Was soll denn daran philosophisch sein? Wer würde denn dann noch arbeiten? Wer soll das bezahlen? Grundeinkommen ist ein Thema für den zweiten Blick. „Wir alle leben nicht vom Geld sondern von Gütern”, antwortet Götz W. Werner auf die Einwände und fragt zurück: „Ist die Gesellschaft in der Lage, so viele Güter und Dienstleistungen zustande zu bringen, dass 82 Millionen Menschen in der Größenordnung von mindestens 1000 Euro davon leben können? Da ist die Antwort – bei einem Bruttosozialprodukt von 2500 Milliarden und Konsumausgaben von 1800 Milliarden Euro – eindeutig ja.” Götz W. Werner ist Unternehmer. 1973 eröffnete er seinen ersten Drogeriemarkt. Heute arbeiten in den DM-Märkten 34.000 Menschen und machen in 2.200 Filialen 5,2 Milliarden Umatz. Ein Phantast ist Götz Werner nicht. Er sieht nach Joseph Beuys im Unternehmen eine „soziale Skulptur” und setzt auf die Produktivität der Freiheit. „Wenn ich mir keine Sorgen um meine Existenz machen muss, kann ich mich an neue Ideen wagen.” Auf Freiheit zu setzen, schlägt er auch der Gesellschaft vor. „Wir könnten sagen: Wir versuchen uns als Musiker oder als IT-Start-up, das Grundeinkommen gibt uns die Freiheit, das auszuprobieren. So schaffen wir viel mehr Risikobereitschaft, viel mehr Unternehmertum.” Werner nimmt Freiheit ernst. Dabei wird deutlich, wie viele, denen das Wort mühelos von den Lippen geht, es nicht so ernst meinen, dass sie auch danach handeln wollen und anderen Freiheit zutrauen.

Blaise Pascal schrieb vor 350 Jahren: „Der Mensch übersteigert unendlich den Menschen.“ Götz Werner ist von dieser Idee überzeugt: „Der Mensch hat immer die Tendenz, über sich hinauswachsen zu wollen. Diese Initiativkräfte wecken wir mit dem Grundeinkommen.” Kürzlich hat Werner seine Unternehmensanteile von mehr als einer Milliarde Euro in seine gemeinnützige Stiftung überführt. Seinen sieben Kinder bleibt zwar mehr als ein Grundeinkommen, aber sie sollen eigene Wege auf eigenen Füßen gehen.

Werner ist seit 2003 Professor für Entrepreneurship in Karlsruhe. Zuletzt erschien „1000 e für jeden. Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen”, zusammen mit Adrienne Goehler bei Econ.

literaturhaus, mittwoch, 16. februar, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

gisela von wysocki
stellt ihr Buch „Wir machen Musik“ vor
Ursula Keller moderiert

„Er konnte viel und wechselte von einem Vater in den anderen; halb Mensch, halb Huhn, halb König, halb Konditor”: Einem Zauberer gleich erscheint der Vater dem kleinen Mädchen. Er vermag Sängerinnen und Sänger, ja ganze Orchester in die Rillen einer lakritzfarbenen Scheibe zu bannen. In ihrem „höchst anmutigen und ganz schwerelosen Bildungs- und Entwicklungsroman” (RBB-Kulturradio) „Wir machen Musik” (Suhrkamp) erzählt die Essayistin Gisela von Wysocki, die mit „Fröste der Freiheit” eine wegweisende Schrift über Literatinnen des 20. Jahrhunderts vorlegte, die literarisch fein geschliffene „Geschichte einer Suggestion”. Willy Fritsch und Lilian Harvey, Heinz Rühmann und Marika Rökk sind die Hausgötter einer Familie, die in den Jahren nach dem Nationalsozialismus im Osthavelland Politikferne zelebriert und zwischen bäuerlicher und künstlerischer Existenz balanciert. Ihren Alltag dirigieren die Grammophonklänge einer untergegangenen Welt: Georg von Wysocki war Unterhaltungsmusikchef der Plattenfirma „Odeon”. Während ihrer Kindheit bleibt der Vater ein Mysterium, eine präsente Leerstelle. „Er macht Musik”, antwortet das Mädchen der Lehrerin schüchtern, als diese nach dem Beruf des Vaters fragt. Und denkt bei sich: „Hoffentlich nimmt sie an, dass er ein Instrument spielt.” Denn die Tochter betrachtet ihre Umwelt mit großen Augen und wachem Geist. Sie stellt die richtigen Fragen. Wie kommt es, dass viele der vom Vater verehrten Künstler Deutschland plötzlich verließen? Im Wort „Fun ist ein Stahlbad” entdeckt die Heldin, die später bei Adorno studieren wird, das Gedankenvernebelnde der Couplets, die ihr Elternhaus durchwehten.

In ihren filigranen Miniaturen gelingt es Gisela von Wysocki anhand des U-musikalischen Leitmotivs eine intellektuelle Erweckungs-geschichte aufzurollen, die ganz ohne belehrenden Zeigefinger ein Stück Nachkriegsgeschichte bündelt: „Es ist Literatur, wie sie im autobiografischen Genre selten zu finden ist. Eine absolute Auslese, niedergeschrieben mit präziser Fantasie, mit großem und tropfenweise injiziertem Witz” (Die Zeit).

literaturhaus, donnerstag, 17. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-

poetry slam mit team&struppi
Kampf der Künste präsentiert: Die Team&Struppi-Show „Jenseits von allem“ mit den Gästen Andy Strauß und Spaceman Spiff

Team&Struppi, Sieger der deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slam 2010 und im norddeutschen Untergrund schon lange für ihre subversiven Bühnenauftritte bekannt, werden nun Gastgeber ihrer eigenen Show im Literaturhaus. Team&Struppi, das sind die beiden Wortkünstler Moritz Neumeier und Jasper Diedrichsen. Im letzten Jahr tourten sie mit ihrem politischen Programm „Reden vor dem Nationalkonvent” durch Deutschland. Dabei führen sie, im Gewand einer fulminanten Slam-Performance, auf hoch amüsante und intelligente Weise die Verlogenheit der Gesellschaft vor.

Ab sofort werden sie alle zwei Monate einen exklusiven Galaabend des ungewöhnlichen Geschmacks moderieren, der sich sehen lassen kann und auch soll. An ihren runden Tisch holen sie sich eckig-illustre Gäste aus den unterschiedlichsten Künsten und Bereichen. So wird sich eine handverlesene und mundgerechte Crème der Subkultur die Klinke in die Hand drücken – Liedermacher, Schriftsteller, (Slam-)Poeten, Zauberlehrlinge, Indianer und Hamburger ,Oginoole’ aller Couleur werden in einer Talk- and Do-Show in sehr spezielle Gespräche verwickelt, sie werden die seltsamsten Fragen beantworten, die aberwitzigsten Tricks vollführen und vor allem fantastische und besondere Auftritte absolvieren. Im Februar freuen wir uns auf Andy Strauß, Slam-Poet und Geschichten-schreiber aus Ostfriesland, der aus seinem skurrilem Werk „Albträumer“ (Ubooks) lesen wird, sowie auf den Musiker Spaceman Spiff, der mit seinen Songs Geschichten erzählt. Umrahmt von Liedern, Texten und Improvisationen der Gastgeber entsteht eine glanzvolle und anarchische Revue von synästhetischer Qualität, bei der auch das Publikum eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird. Freuen sie sich auf Satire, Kabarett, Poesie und Musik fernab aller Genre-Schubladen.

Erscheinen Sie, sonst weinen Sie.
Medienpartner NDR Info

literaturhaus, montag, 21. februar, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-

thomas glavinic
liest aus seinem neuen Roman „Lisa“
Richard Kämmerlings moderiert

„Ich bilde mir nicht ein, wahnsinnig viel über die Menschen zu wissen. Aber ich weiß immerhin, dass so ziemlich das Einzige, was einem Menschen bei anderen Respekt verschafft, seine Unabhängigkeit ist.”

Der 1972 in Graz geborene Thomas Glavinic gehört zu den außergewöhnlichsten Erzählern seiner Generation und versteht es, seine Leser immer wieder aufs Neue zu überraschen und sich jeder Kategorisierung zu entziehen. Das galt für Bücher wie „Der Kameramörder”, „Die Arbeit der Nacht” oder „Das bin doch ich”, und das gilt auch für seinen neuen Roman „Lisa”, der Komik und Absurdität mischt und zugleich ein Psychogramm des Grauens liefert.

Ein Mann hat sich mit seinem kleinen Sohn in einem verlassenen Landhaus verschanzt. Jeden Abend setzt er sich mit reichlich Whisky und Koks vor ein Mikrofon und spricht per Internet-Radio zu einem virtuellen Publikum. DNA-Analysen beweisen das Unglaubliche: Lisa, eine Schwerkriminelle, begeht auf der ganzen Welt rätselhafte Verbrechen, vom Hirsediebstahl auf einem weststeirischen Bauernhof über die Entführung einer jungen Frau in Ungarn bis zum mehrfachen Foltermord in Warschau und Genua. Man hat der Gesuchten dem Namen Lisa gegeben. Jetzt ist sie in seine Wohnung eingebrochen. Die Zeichen mehren sich, dass er ihr nächstes Opfer wird. Doch sie bleibt unsichtbar, außer ihrer DNA gibt es keine einzige Spur.

„Lisa” (Hanser) ist der Roman einer Zeit, in der das Internet der letzte verbliebene Ansprechpartner ist und in der Medien und Gewalt genauso miteinander verquickt sind wie Realität und Fiktion. Wie vermag sich da der Einzelne vor dem Wahnsinn zu retten?

literaturhaus, dienstag, 22. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

gedankenflieger – philosophieren mit kindern
Thema: Wer bin ich und kann ich mich verwandeln?
Mit Kristina Calvert und Sabine Dittmer

„Einmal hatte Möwe gar keine Lust mehr weiß zu sein. Sie wollte lieber rot sein wie eine Tomate oder wenigstens gestreift wie ein Zebra. Als Möwe am nächsten Tag aufwachte, war sie rotgestreift. – Wie war das geschehen?” Wir lesen eine Geschichte über „Möwe” aus „Wolkenbilder und Möwendreck”, dem neuen Buch von Kristina Calvert und Sabine Dittmer, und fragen uns mit den Autorinnen, woraus sich Identität zusammensetzt. Ändert sich mein Wesen mit einer neuen Frisur? Was ist das überhaupt, mein Wesen, mein „Ich”?

Alle Geschichten in diesem Buch eignen sich besonders gut zum philosophieren mit Kindern – und im Vorwort verraten die Autorinnen persönliche Tricks und Tipps zum gelungenen Miteinandersprechen. Wie immer arbeitet nicht nur der Kopf: Es wird auch gebastelt. Buchpremiere!

Für Kinder von 7 bis 10 Jahren | Anmeldung unter Telefon 040-22 70 20 14
Mit freundlicher Unterstützung der Saga GWG Stiftung Nachbarschaft

literaturhaus, donnerstag, 24. februar, 15.30 uhr, eintritt frei

nicole krauss
liest aus ihrem neuen Roman „Das große Haus“
Anne Weber liest den deutschen Text
Elmar Lüth moderiert

Ein Ungetüm. Dunkel, mächtig, so groß wie ein halbes Zimmer. 19 Schubladen, eine davon vor vielen Jahren abgesperrt. Dem einen verschafft er Beklemmungen, die andere kann erst, wenn sie davor sitzt, ihre Gedanken fließen lassen. Ein monströser Schreibtisch wird in „Das große Haus” (Rowohlt Verlag, Übersetzung: Grete Osterwald), dem neuen Roman der amerikanischen Autorin Nicole Krauss, zum Katalysator für eine Fülle individueller Geschichten, aus denen Krauss bravourös ein engmaschiges Stück Zeitgeschichte strickt. Schicksale sind durch das gewaltige Möbelstück unentwirrbar verknüpft: das des chilenischen Dichters und Widerstandskämpfers Daniel Varsky und der ihm verfallenen amerikanischen Schriftstellerin Nadia. Das des israelischen Vaters, der nach dem Tod seiner Frau versucht, seinem Sohn Dov, einem „seltsamen Jungen, der von Anfang an nach innen wuchs“, näher zu rücken. Das von Lotte Berg, der Holocaust-Überlebenden, die am Ende ihres Lebens nicht mehr weiß, wer sie ist, und nach ihrem Tod ihrem Mann auf erschütternde Weise klarmacht, dass auch er davon nicht die geringste Ahnung hatte. Und schließlich das der Geschwister Leah und Yoav, Kinder des Antiquitätenhändlers Georg Weisz, der wie besessen durch Europa rast, um die möblierten Habseligkeiten ermordeter jüdischer Familien aufzuspüren. So wird der Schreibtisch zur Metapher für den großen Verlust des vergangenen Jahrhunderts.

Mit „Das große Haus” ist Nicole Krauss, die mit ihrem Mann Jonathan Safran Foer und ihren beiden Kindern in Brooklyn lebt, nach „Die Sprache der Liebe” von 2005 erneut ein ungemein fesselndes und erschütterndes Buch gelungen, das durch „exquisit ausgewählte sensorische Details” (The New York Times) überzeugt. Sprachmächtig und intelligent windet sich die Handlung durch die Jahrzehnte, durch die politischen Systeme, schlingt sich immer enger um die Protagonisten und wartet mit einer erstaunlichen Pointe auf. Brillanter und schmerzvoller ist von den Hinterlassenschaften des Holocaust lange nicht erzählt worden: „Wie kann man Jude sein ohne Jerusalem? Wie kann man Jude sein ohne ein Land? Wie kann man Gott Opfer bringen, wenn man nicht weiß, wo man ihn finden soll?
Kulturpartner NDR Kultur

literaturhaus, freitag, 25. februar, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

literaten im hotel: alex capus
liest aus seinem Roman „Léon und Louise“, Felix Schlatter begrüßt

„Erst jetzt, da uns so vieles trennen wird – ein Ozean, ein Krieg, vielleicht ein Erdteil oder zwei – kann ich dir wieder nahe sein.“

In seinem Roman „Léon und Louise” (Carl Hanser Verlag) erzählt Alex Capus von nichts Geringerem als der echten großen Liebe. Inmitten eines vom Krieg verwüsteten Frankreichs begegnen sich zwei Schicksale. Als Louise auf ihrem quietschenden Fahrrad das erste Mal an ihm vorbeifährt und er für den Bruchteil einer Sekunde in ihre grünen Augen blickt, weiß Léon, dass sie zusammengehören. Während rund um sie her der Krieg tobt und ganz Frankreich im Bombenhagel versinkt, gibt es für sie nur noch einander. Doch das Schicksal gönnt den beiden Liebenden nur ein kurzes gemeinsames Glück. Von einem deutschen Bombenangriff getrennt halten sie einander für tot, und zehn Jahre vergehen, ehe sie sich durch Zufall in der Pariser Métro wieder begegnen. Doch nun hat Léon Familie und Louise ein unabhängiges Leben. Obwohl sie sich schwören, sich nicht mehr zu kontaktieren, können sie einander nicht vergessen. Gegen alle Konventionen und Vernunft versuchen sie, sich wieder näher zu kommen, ehe sie ein zweites Mal durch die Wirren eines neuen Krieges getrennt werden. Als sie schließlich endlich wieder zueinander finden, nach Jahren ohne ein Wort, sind sie beide neue Menschen, desillusioniert und vom Leben gezeichnet. Die Liebe aber, die sie beide vom ersten Moment an verband, ist ungebrochen.

Dem 1961 in Frankreich geborenen Capus ist eine wunderbare melancholische Liebesgeschichte gelungen, die vor der Kulisse zweier Weltkriege von Leid und Schmerz erzählt, von Hoffnung und Glück, von der Eigentümlichkeit der Menschen, der Sinnlosigkeit des Krieges und von Gefühlen, die alle Zeit und alle Hindernisse überdauern. „Capus ist brandmodern und gleichzeitig zeitlos”, meint Deutschlandradio Kultur, und die FAZ lobt das „frisches Staunen über die Menschen und das Menschenmögliche”, das aus „jedem Satz strahle”.

Eintritt frei! Anmeldung bitte bis 21.2. unter Telefon 040-22 70 20 14!
Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia | Kulturpartner NDR Kultur

hotel wedina (gurlittstr. 23), sonntag, 27. februar, 17.00 uhr, eintritt frei

sta*-club – schüler treffen autoren
Mischa-Sarim Vérollet liest aus seinem Debüt „Warum ich Angst vor Frauen habe“

Der Poetry-Slam-Star Mischa-Sarim Vérollet begibt sich auf die Spuren seiner Kindheit im Deutschland der 1980er Jahre, wohin es ihn aus Frankreich verschlagen hatte. In seinem Debütroman „Warum ich Angst vor Frauen habe” (Carlsen) erzählt er von einer Reise durchs Absurdistan des Erwachsenwerdens. Was die Reise versüßt oder aber zu einem Höllentrip geraten lässt, ist ein Phänomen, das häufig den Weg kreuzt: Mädchen. Egal in welcher Gestalt es auftaucht – als Imken, Steffi, Christine, Musiklehrerin oder Sybille – es bleibt eine Herausforderung. Skurril und mit rabenschwarzem Humor kommentiert Vérollet die Suche nach der Heimat – gebeutelt von Liebeskummer, Phobien und Krankheiten und eskortiert von Kumpels wie Wayne und Röchel-Chris.
Mischa-Sarim Vérollet wurde 1981 auf Gibraltar geboren, mit seinen deutsch-englisch-französischen Eltern gelangte er nach Bielefeld und lebt jetzt in Berlin. 2009 erschien sein Band „Das Leben ist keine Waldorfschule”.

Für Schüler ab 14 Jahren und alle Interessierten. Anmeldung unter Telefon 040 – 22 70 20 14.
Mit Unterstützung der Hamburger Literaturstiftung
literaturhaus, montag, 28. februar, 19.00 uhr, eintritt frei

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