Literaturhaus Hamburg im November

verleihung des k.-h.-zillmer-verlegerpreises
literaturhaus, montag, 8. november, 19.30 uhr, mit anmeldung!
Heinrich von Berenberg wird mit dem K.-H.-Zillmer-Verlegerpreis geehrt
Jürgen Christian Kill hält die Laudatio
Maike Albath liest aus „Der Geist von Turin“

literatursoiree: urs widmer
literaturhaus, dienstag, 9. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Andreas Isenschmid trifft Urs Widmer. Ein Gespräch

spaß mit büchern: hamburger märchentage
literaturhaus, donnerstag, 11. november, 15.30 uhr, eintritt frei
Die 7. Hamburger Märchentage und „Spaß mit Büchern“ präsentieren einen märchenhaften Mal-Workshop mit Katharina Großmann-Hensel

philosophisches café: klaus-michael meyer-abich
literaturhaus, donnerstag, 11. november, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Thema: Was der Medizin fehlt – Gesundheit
Gast: Klaus-Michael Meyer-Abich
Reinhard Kahl moderiert

ndr kultur podium: literatur und medizin
literaturhaus, dienstag, 16. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Ärzte als Schriftsteller – mit den Schriftstellern Paulus Hochgatterer und Jens Petersen und dem Literaturwissenschaftler Marc Föcking
Stephan Lohr moderiert

joseph boyden
literaturhaus, mittwoch, 17. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Joseph Boyden liest aus seinem Roman „Durch dunkle Wälder“
Sebastian Dunkelberg liest den deutschen Text
Achim Zeilmann moderiert

irgendwie komisch: martin sonneborn
literaturhaus, donnerstag, 18. november, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-
Martin Sonneborn betreibt Heimatkunde und verspricht Krawall und Satire

sta*-club – schüler treffen autoren
literaturhaus, montag, 22. november, 19.00 uhr, eintritt frei
Die Friedrich-Ebert-Stiftung und der sta*-club präsentieren: Ein Literaturgespräch über Heldinnen und Helden mit Alexa Hennig von Lange und Finn Ole Heinrich

arno schmidt: zettel’s traum
literaturhaus, dienstag, 23. november, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-
Arno Schmidts Riesenroman wird wiederentdeckt – von Friedrich Forssman, Susanne Fischer, Bernd Rauschenbach, Joachim Kersten und Jan Philipp Reemtsma

thomas lehr (außer haus)
magazin-kino (fiefstücken 8a), mittwoch, 24. november, 20.00 uhr, euro 12,-/10,-/8,-
Thomas Lehr liest aus seinem Roman „September. Fata Morgana“
Martin Ebel moderiert

gedankenflieger – philosophieren mit kindern
hamburger kunsthalle, donnerstag, 25. november, 15.30 uhr, euro 2,-
Wir philosophieren zum Thema „Die Ordnung der Dinge“ und sehen uns die „Wunderkammern“ von Gustav Hinz in der Hamburger Kunsthalle an

verleihung der förderpreise für literatur und literarische übersetzungen
literaturhaus, montag, 29. november, 19.30 uhr, eintritt frei
Die Behörde für Kultur, Sport und Medien zeichnet Autoren und Übersetzer aus

toter salon spezial: f.w. bernstein
literaturhaus, dienstag, 30. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-
Stargast: F.W. Bernstein
Gastgeber: Gerhard Henschel und Richard Christian Kähler

verleihung des k.-h.-zillmer-verlegerpreises
Heinrich von Berenberg wird mit dem K.-H.-Zillmer-Verlegerpreis geehrt
Jürgen Christian Kill hält die Laudatio
Maike Albath liest aus „Der Geist von Turin“

Der mit 10.000 Euro dotierte „K.-H.-Zillmer-Verlegerpreis” wird dieses Jahr an den Inhaber des vor sechs Jahren gegründeten Berenberg Verlags, Heinrich von Berenberg, verliehen. Um den Preisträger vorzustellen, liest die Berenberg-Autorin Maike Albath aus ihrem vielgelobten Buch „Der Geist von Turin”. Jener Geist aus dem Kreis um Cesare Pavese, Leone und Natalia Ginzburg und dem Einaudi-Verlag, der nach 1945 das Klima intellektueller Freiheit in Italien wesentlich geprägt hat. Die Autorin, die Italien kennt und liebt, beschwört die Stadt und die einmalige geistige Landschaft, in der diese stolze Episode aus Italiens jüngerer Geschichte ihren Lauf nahm. Die Laudatio auf Heinrich von Berenberg hält Jürgen Christian Kill, Preisträger 2008 und Leiter der Verlagsbuchhandlung Liebeskind in München. Die Jury lobt den Berenberg Verlag für sein hoch professionelles Liebhaberprojekt: „Er verzichtet fast vollständig auf die reine Literatur und pflegt stattdessen den Essay. Jedes Buch ist ein intellektueller Trip, der Leser wird dabei nie enttäuscht, sondern macht eine Entdeckung nach der anderen. In seiner stolzen Bescheidung beweist Berenberg eine klare verlegerische Handschrift, die bis in die schöne Ausstattung durchgehalten wird.”

Der 1950 geborene Heinrich von Berenberg hat 20 Jahre lang als Übersetzer und Verlagslektor gearbeitet. Vor sechs Jahren rief er in Berlin seinen eigenen Verlag ins Leben. Seitdem verlegt er insbesondere autobiografische und biografische Literatur, Essays und Memoiren. Getreu dem Motto des amerikanischen Historikers Robert Darnton: „In jedem dicken Buch steckt ein dünnes, das schreit: Ich will raus!”

Der Preis gilt dem verlegerischen Idealismus und Mut, dem Einsatz für die Verbreitung von Literatur als Kunst, für das kulturelle Leben insgesamt. Stifter ist der Hamburger Diplom-Ingenieur Karl-Heinz Zillmer.

Anmeldung bis 5. November unter Telefon 040-22 70 20 14!

literaturhaus, montag, 8. november, 19.30 uhr, mit anmeldung!

literatursoiree: urs widmer
Andreas Isenschmid trifft Urs Widmer. Ein Gespräch

Wo Monat für Monat Autorinnen und Autoren ihre druckfrischen Neuerscheinungen präsentieren und wo leidenschaftlich über aktuelle Strömungen der Literatur debattiert wird, da tut es mitunter gut, sich aus dem immer schneller rotierenden Literaturbetrieb zu entfernen, die Langsamkeit wiederzuentdecken und über grundsätzliche ästhetische Fragen nachzudenken. Die Reihe „Literatursoiree” will einen solchen Raum schaffen. Philologen, Literaturkritiker oder Schriftsteller treten hier auf die Bühne, um die Grundfragen der Literatur in ein neues Licht zu rücken und Zusammenhänge herzustellen, für die das Feuilleton immer weniger Platz zur Verfügung stellt. Unkonventionalität ist dabei gefragt – und der Mut, festgefahrene Bahnen zu verlassen und den Eigensinn des Literarischen zu stärken.

Moderator der „Literatursoiree” ist der Berliner Literaturkritiker Andreas Isenschmid. Als seinen vierten Gast begrüßt er den vielfach ausgezeichneten Schweizer Autor Urs Widmer, der sich bei Kritik und Publikum gleichermaßen großer Beliebtheit erfreut. Vielfältiger als die Bücher Urs Widmers können Bücher kaum sein, einfacher auch nicht. Widmer bringt in seinen kurzen und klar erzählten Romanen Dinge zusammen, die andere kaum getrennt beherrschen würden: Er schreibt die Geschichte seines Vaters und seiner Mutter, verbindet sie mit der Nachkriegsgeschichte der Schweiz, taucht in seiner fortlaufenden „autofiction” bei Bedarf aber auch als Zwerg auf oder geht mit Toten durchs Leben und mit Lebenden durch den Tod. Im Gespräch mit Urs Widmer sucht der Kritiker Andreas Isenschmid nach dem Betriebsgeheimnis von Widmers so verspielter und zugleich so ernster Prosa.

In Kooperation mit der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. | Kulturpartner NDR Kultur

literaturhaus, dienstag, 9. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

spaß mit büchern: hamburger märchentage
Die 7. Hamburger Märchentage und „Spaß mit Büchern“ präsentieren einen märchenhaften Mal-Workshop mit Katharina Großmann-Hensel

Das russische Volksmärchen „Filipka” handelt von dem gleichnamigen Fischerjungen, der einst durch einen Zauber zur Welt gekommen war. Seine Mutter, die sich sehnlichst ein Kind wünschte, hatte einen Erlenscheit in eine Wiege gelegt, drei Tage ausdauernd das immer-gleiche Schlaflied gesungen und endlich einen Sohn aus Fleisch und Blut in die Arme geschlossen. Der Junge wuchs heran und fischte für sein Leben gern. Bis in die Nacht blieb er draußen auf dem See, um zu angeln. Als die böse alte Hexe Baba Jaga von dem glücklichen Fischerjungen hört, ersinnt sie ein reiches Repertoire an Hinterhältigkeiten, um ihn gefangen zu nehmen und als knusprigen Braten zu verspeisen. Aber der schlaue Filipka lässt sich von der mächtigen und grausamen Baba Jaga nicht so leicht austricksen. In russischen Volksmärchen spielt die böse Hexe Baba Jaga eine bedeutende Rolle. Sie wohnt meist tief in einem Wald in einer Hütte versteckt und denkt beim Anblick eines Menschen sofort daran, das Kochwasser aufzusetzen oder den Ofen zu heizen … Ein verfressenes altes Weib!

Die Illustratorin Katharina Großmann-Hensel gestaltet im Rahmen der „7. Hamburger Märchentage” mit Kindern Märchentableaus, die von der abenteuerlichen Geschichte Filipkas inspiriert werden. Außerdem zeigt sie anhand eines kleinen Spaziergangs durch ihr Werk, wie ihre Illustrationen entstehen und wie man mit Bildern eine Geschichte erzählt.

Katharina Großmann-Hensel wurde 1973 in Mülheim an der Ruhr geboren und studierte in Hamburg Illustration. Sie hat drei Jahre in Paris gelebt und dort auch ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Heute lebt sie als freie Autorin und Illustratorin in Berlin. Gerade ist das von ihr illustrierte Buch „Deutschland, eine Märchenreise” erschienen.

Für Kinder ab 6 Jahren! | Bitte Federtasche mit eigenen Lieblingsstiften mitbringen! Anmeldung unter Tel. 040 – 22 70 20 14. | Im Rahmen der 7. Hamburger Märchentage der Dr. E. A. Langner-Stiftung und in Kooperation mit dem JIZ (Jugendinformationszentrum)

literaturhaus, donnerstag, 11. november, 15.30 uhr, eintritt frei

philosophisches café: klaus-michael meyer-abich
Thema: Was der Medizin fehlt – Gesundheit, Gast: Klaus-Michael Meyer-Abich
Reinhard Kahl moderiert

„Soweit die Menschen gesund sind, besteht von Seiten unseres sogenannten Gesundheitswesens so gut wie kein Interesse an ihnen. Sollte es dann nicht besser ein Krankheitswesen heißen?”

„Was fehlt Ihnen?” In dieser ärztlichen Frage hört Klaus Michael Meyer-Abich den Nachhall einer Weisheit, der es um den ganzen Menschen geht, denn bevor wir körperlich krank werden, fehlt uns fast immer etwas anderes. Als Ausfälle im Betriebssystem des Körpers oder seinen Subsystemen hingegen würden Krankheiten nur unzureichend verstanden. Dass ein gesunder Mensch nicht krank wird, sei nur scheinbar ein tautologischer Satz, denn der Krankheit gehe etwas voraus. „Eine Krankheit sagt nichts, und sie verbirgt nichts, sondern sie bedeutet etwas”, zitiert er den vorsokratischen Philosophen Heraklit. Der Blick aufs Ganze sei allerdings der heutigen Medizin abhanden gekommen – und nicht nur der Medizin. Der Philosoph und Physiker Klaus Michael Meyer-Abich hat bei Carl Friedrich von Weizsäcker studiert. Bis zu seiner Emeritierung lehrte er Naturphilosophie an der Universität Essen. Zwischendurch regierte er in den achtziger Jahren als Wissenschaftssenator in Hamburg. Nun legt er ein großes Werk vor – vielleicht sein Lebenswerk – eine Philosophie der Medizin: „Was es bedeutet gesund zu sein” (Hanser Verlag). Alte Weisheiten werden von neuen Forschungen bestätigt, etwa der Psychoneuroimmunologie. So sieht Meyer-Abich in der Krankheit nicht nur eine verletzte Ganzheit, sondern auch eine Störung des Mitseins. Aus all dem folgen nicht nur Vorschläge für eine andere Medizin, sondern vor allem eine andere Haltung, ein anderer Blick, ein anderes Denken. Es ist die Stunde der Philosophie. Ärzte und Patienten agieren in dem besonderen Licht unserer Kultur. Aber sie sehen nicht das Licht, denn das haben sie immer nur im Rücken. Meyer-Abich dreht sich um, blickt auf dieses Licht und auf vieles rundherum, was dieser Lichtkegel gewöhnlich im Dunklen lässt. „Die Erinnerung an das Ganze ist nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums in der Natur der einzige Ausweg aus der Begrenzungskrise, in die wir geraten sind.”
Mit freundlicher Unterstützung von „Der Spiegel“

literaturhaus, donnerstag, 11. november, 19.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

ndr kultur podium: literatur und medizin
Ärzte als Schriftsteller – mit den Schriftstellern Paulus Hochgatterer und Jens Petersen und dem Literaturwissenschaftler Marc Föcking
Stephan Lohr moderiert

Ohne Krankheit und Leid kommt Literatur nicht aus. Die Erwähnung medizinrelevanter Themen in Erzählungen und Romanen füllt ganze Lexika … Eine Zuspitzung erfährt das Thema, wenn man sich der Autoren erinnert, die auch Ärzte sind: Ernst Augustin, Gottfried Benn oder Alfred Döblin, unter den jüngeren dann Jakob Hein, Paulus Hochgatterer, Jens Petersen oder Uwe Tellkamp. Zwei dieser Autoren haben wir gebeten, das öffentliche Gespräch zu führen: Mit Paulus Hochgatterer und Jens Petersen spricht der Hamburger Romanist Marc Föcking.

Paulus Hochgatterer, geboren im Juli 1961 in Niederösterreich, arbeitet als Kinder- und Jugendpsychiater in Tulln. Seine literarischen Werke (zuletzt „Das Matratzenhaus”, 2010 und „Die Süße des Lebens”, 2006) verraten seine beruflichen Erfahrungen. Hochgatterers literarisches Wirken wurde vielfach ausgezeichnet, z.B. mit dem Österreichischen Staatspreis für Literatur (2000), dem Elias-Canetti-Stipendium (2001) oder dem Literaturpreis der Europäischen Union (2009). Jens Petersen ist der Vorjahressieger des Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Der im März 1976 in Pinneberg geborene Autor wirkt heute als Neurologe in Zürich. Er debütierte 2005 mit „Die Haushälterin” und las beim Bachmann-Wettbewerb das letzte Kapitel seines in Arbeit befindlichen Romans „Bis dass der Tod” vor. Petersen sieht seine literarische Arbeit absolut getrennt von seiner medizinischen Tätigkeit.

Die Aufzeichnung dieses Podiumsgesprächs strahlt NDR Kultur voraussichtlich im Sonntagsstudio (20.00-22.00 Uhr) am 12. Dezember aus.

Eine Veranstaltung von NDR Kultur und Literaturhaus

literaturhaus, dienstag, 16. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

joseph boyden
liest aus seinem Roman „Durch dunkle Wälder“
Sebastian Dunkelberg liest den deutschen Text, Achim Zeilmann moderiert

„Ich bin müde, aber ich muss weiterlaufen. Ich bin so müde, aber ich muss aufstehen, sonst erfriere ich. Mit euch zu reden, hält mich warm“: Erzählen ist Leben. Diesem Credo verschreibt sich auch das neue Buch des Kanadiers Joseph Boyden. „Durch dunkle Wälder” (Knaus Verlag) ist der zweite Teil seiner Trilogie über die „First Nations”, die Nachkommen der indianischen Ureinwohner Kanadas. Der opulente Roman, von Ingo Herzke wunderbar ins Deutsche übertragen, erzählt gänzlich unromantisch aus zwei Perspektiven vom Überlebenskampf und der Desillusionierung der Cree-Indianer in den kanadischen Wäldern bei Moosonee, Ontario, von ihren Traditionen, die durch die Moderne bedroht sind – oder nicht mehr existieren. Will Bird ist ein Buschpilot, ein Bärenflüsterer, ein Jäger, kurz, einer, dessen Herz nur in der Natur frei zu schlagen vermag. Und Will verbringt viel Zeit mit seinem besten Freund, den er sich mit Pepsi, Ginger Ale oder notfalls mit Flusswasser vermengt hinter die Binde gießt. Der Rye Whisky ist es auch, der den Waldläufer zwischen die Fronten zweier verfeindeter Gruppen geraten lässt. Annie Bird sitzt am Bett ihres krankenhausreif geprügelten Onkels und versucht ihm mit Worten und Berührungen Leben einzuhauchen. Doch auch ihre Geschichten künden vom Ende. Auf der Suche nach ihrer Schwester Suzanne, einem Model, das mit leuchtenden Augen und nachtblauen Haaren Herzen zum Schmelzen brachte und vor zwei Jahren spurlos im Großstadtdschungel verschwand, kommt Annie nach Toronto, und blickt in eine verwesende, korrupte Welt. Im „Süden” lernt „die Indianerprinzessin” die bedrohliche Wildnis der Menschen kennen und heftet sich mit dem stummen Cree Gordon an die Fersen ihrer Schwester. Wie eine Traumwandlerin bewegt sich die junge Frau zwischen den Welten, ist Model und Fallenstellerin, schwingt ihre Hüften und das Buschmesser, und erkennt am Ende doch, wie sie leben möchte – und warum.

Wie in seinem mit dem renommierten Giller-Preis geehrten Debüt „Der lange Weg” ist Joseph Boyden, der selbst indianische Vorfahren hat, auch mit „Durch dunkle Wälder” ein Buch von „großer mystischer Kraft, eine eindringliche Parabel über Verlust und Entfremdung, Hoffnung und Erlösung” (The Independent) gelungen.

literaturhaus, mittwoch, 17. november, 20.00 uhr, euro 10,-/8,-/6,-

irgendwie komisch: martin sonneborn
Martin Sonneborn betreibt Heimatkunde und verspricht Krawall und Satire

Für seine „Titanic”-Aktionen bejubelte ihn der „Stern” als „Krawallsatiriker mit Profilneurose”, für „Heimatkunde” lobte ihn der „Berliner Kurier”: „Üble Ossi-Hetze! Wie kann ein Mensch die Ossis nur so hassen?!” Nach seinen Kurzreportagen für die ZDF-„Heute Show” trat der Geschäftsführer des größten deutschen Pharma-Verbandes zurück und das chinesische Außenministerium verlangte Sonneborns Hinrichtung. Ein Abend mit Martin Sonneborn ist ein ganz unaufgeregtes Multimediaspektakel mit langweiligen, hochpoetischen Lesepassagen aus seinem neuen Buch „Heimatkunde” (Ullstein), lustigen Filmen und brutaler politischer Agitation zugunsten der „Partei”, die in Deutschland immer noch unbemerkt nach der Macht greift. (Weitere parteipolitische Abende sind im Literaturhaus künftig nicht vorgesehen; sehen Sie bitte von Anfragen ab.)

Martin Sonneborn war bis 2005 Chefredakteur bei „Titanic”. Im August 2004 gründete er „Die Partei”, um die Mauer wieder aufzubauen. Heute hat sie schon weit über 8000 Mitglieder in Ost und West. Seit 2006 ist er Leiter des Satireressorts „Spam” bei Spiegel Online, seit 2009 Außenreporter der „Heute Show” (ZDF). Bestätigten Gerüchten zufolge holte er, wenn man „FAZ”, Tagesthemen und Rudi Völler glauben darf, die Fußball-WM 2006 nach Deutschland. Über „Heimatkunde” schrieb die Berliner Zeitung: „Komischer als ausgedacht”, und der „Spiegel” urteilte: „Eine schaurig schöne Momentaufnahme zum Stand der Einheit.”

Ein Abend nicht nur für Chemnitzer und Anklamer. Auch Eppendorfer und Wandsbeker werden sich wiederfinden. Glauben Sie uns.
Medienpartner NDR Info

literaturhaus, donnerstag, 18. november, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-

sta*-club – schüler treffen autoren
Die Friedrich-Ebert-Stiftung und der sta*-club präsentieren: Ein Literatur-gespräch über Heldinnen und Helden mit Alexa Hennig von Lange und Finn Ole Heinrich

Seit der Antike hat sich der Held in der Literatur extrem gewandelt. War er in der Antike noch ein Heros übermenschlicher Gestalt, hat er – abgesehen von seinem Treiben als Superheld in Fantasyromanen – eine eher antiheldische Karriere durchlaufen. Gern operiert er nun am Rande der Gesellschaft, mit sich und der Welt hadernd. Das allherbstliche Literaturgespräch im sta*-club – bereits zum fünften Mal initiiert durch die Friedrich-Ebert-Stiftung – widmet sich Helden in der Gegenwartsliteratur. Zu diesem Zweck haben wir Alexa Hennig von Lange und Finn Ole Heinrich aufs Podium gebeten, die aus ihrer „Helden-Literatur” lesen.

Mit dem Literaturgespräch fördert das Julius-Leber-Forum Austausch und Auseinandersetzung Jugendlicher über zeitrelevante literarische Themen.

Für Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13 | Anmeldung unter Telefon 040 – 32 58 74 20 oder per E-Mail unter gaby.wittpohl@fes.de

literaturhaus, montag, 22. november, 19.00 uhr, eintritt frei

arno schmidt: zettel’s traum
Arno Schmidts Riesenroman wird wiederentdeckt – von Friedrich Forssman, Susanne Fischer, Bernd Rauschenbach, Joachim Kersten und Jan Philipp Reemtsma

„Was stünde nicht in Zettel‘s Traum?”, fragte Arno Schmidt ebenso selbstbewusst wie selbstironisch anlässlich seines Opus Magnum, das vor 40 Jahren als Reproduktion des 1334 Seiten starken großformatigen Manuskripts erschien. Denn das Gespräch der vier Hauptfiguren dreht sich zwar hauptsächlich um Literatur und den amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe, aber damit natürlich auch um die ganze Welt: Von arabischen Göttinnen bis zum Quelle-Katalog wird nichts ausgelassen. Die Protagonisten lassen sich unter anderem in Bäume, Pferde und Zigeuner verzaubern, um das Leben aus neuen Perspektiven zu erfahren. Nicht zuletzt geht es um die zarte Liebe zwischen dem alternden Erzähler Dän und dem jungen Mädchen Franziska, und um Sexualität und ihre Spielarten. Dabei entwirft Schmidt eine eigene Literaturtheorie in der Nachfolge von Sigmund Freud, die er nebenbei in eine neue Rechtschreibung umsetzt: Die Wörter zeigen ihren Nebensinn schon auf den ersten Blick.

Die komplexe Struktur des dreispaltigen Romans mit seinen zahlreichen Randglossen stellt nicht nur Herausforderungen an den Leser: „Es wird sich nicht mehr setzen lassen”, befürchtete der Autor, als er sein Hauptwerk 1968 abschloss. Nun endlich erscheint „Zettel’s Traum” als gesetztes Buch, bei Suhrkamp. Die Editorin Susanne Fischer führt in den Roman ein, der Buchgestalter Friedrich Forssman erläutert die typographische Umsetzung von Schmidts Manuskript in der Neuausgabe. Die bewährten Vortragskünstler Joachim Kersten, Jan Philipp Reemtsma und Bernd Rauschenbach lesen Auszüge aus dem Großroman – vielleicht diesen: „Gemeinsam hören sie Radio und rahmen Dias. Daniel beschäftigt die eifrige Franziska sogar damit, aus alten Briefumschlägen Notizzettel zu schneiden und verweist damit auf eine Angewohnheit seines Autors Arno Schmidt, in dessen Nachlaß sich beispielsweise Notizzettel aus Konservendosenetiketten finden.”
Kulturpartner NDR Kultur

literaturhaus, dienstag, 23. november, 20.00 uhr, euro 8,-/6,-/4,-

thomas lehr (außer haus)
liest aus seinem Roman „September. Fata Morgana“
Martin Ebel moderiert

Weltengrauen gerinnt zu Poesie: In seinem verblüffenden Roman „September. Fata Morgana” (Hanser Verlag) perlen Thomas Lehrs Gedanken über die Seiten und kein Satzzeichen vermag sie aufzuhalten. Das Buch, diese „kunstvolle und grundsätzliche Gegenwehr gegen das Leichtgängige, gefährlich Banale in Form und Inhalt” (Frankfurter Rundschau), beleuchtet aus zwei Perspektiven die Ereignisse, die unsere Welt im vergangenen Jahrzehnt aus den Fugen gehoben haben. Die Politik zieht ins Private ein, das müssen der deutsch-amerikanische Literaturprofessor Martin und seine Tochter Sabrina ebenso erkennen wie der in Paris ausgebildete Arzt Tarik aus dem Irak und seine Tochter Muna. Die Stimmen dieser vier Intellektuellen erzählen ihre Version der Geschichte. Die Töchter sterben – die junge US-Amerikanerin lässt ihr Leben in den Trümmern des World Trade Centers, die Irakerin kommt drei Jahre später während eines Anschlags in Bagdad zu Tode: „Fetzen graue Trümmer scharfkantige aufgebogene zerrissene Objekte die an etwas erinnern sollten das Pfeifen wird lauter schmerzhaft eine zerplatzte Wassermelone …”

Dieser Roman ist ein Wagnis und Lesegenuss zugleich. Wagnis, weil er den Leser erkennen lässt, wie nahe sich der westliche und der östliche Blick kommen, wie sie sich verschränken und einander bedingen. Genuss, weil der 1957 geborene Lehr, dessen Roman „42” bereits 2005 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand, mit stupendem Wissen auf literarische Traditionen verweist und die westliche Erzählweise meisterlich mit der orientalischen verknüpft. Hinweise auf den „West-östlichen Divan”, über den der Goethe-Forscher arbeitet, finden sich ebenso eingewoben wie die Poesie des persischen Dichters Hafis oder seines zeitgenössischen Kollegen Adonis: „Das Herausragende dieses Romans liegt vor allem darin, dass er eine literarische Form gefunden hat, die die politische Katastrophe zwar nicht aufhebt, sie aber kenntlich macht und durchdringt” (DeutschlandRadio Kultur). „September. Fata Morgana” wurde in diesem Jahr für die Shortlist des Deutschen Buchpreises ausgewählt und gehört zweifellos zu den großen Werken dieses Herbstes. Ein Buch, das bleiben wird.

Eine gemeinsame Veranstaltung von NDR Kultur und Literaturhaus

magazin-kino (fiefstücken 8a), mi, 24. november, 20.00 uhr, euro 12,-/10,-/8,-

gedankenflieger – philosophieren mit kindern
Wir philosophieren zum Thema „Die Ordnung der Dinge“ und sehen uns die „Wunderkammern“ von Gustav Hinz in der Hamburger Kunsthalle an

Sich zu wundern ist die Grundlage des Philosophierens. Also wollen wir mit unseren Gedanken experimentieren und durchaus humorvoll grübeln, worüber man sich so wundert und worüber nicht. Wunderst du dich über ein Kaugummi in einem Mülleimer? Eher nicht, wirst du wahrscheinlich antworten, wohl aber wunderst du dich über ein Kaugummi auf einem Seidentuch, oder? Wie kommt das? Wir lesen aus „Fast Alles”, einem Bilderbuch, in dem Joëlle Jolivet Dinge auf ihre Weise ordnet. Der Maler Johann Georg Hinz zeigt uns auf seinem Bild „Wunderkammer” wunderbare Sachen: fein geordnet und übersichtlich. Aber: Warum zeigt er uns das? Fragen über Fragen, die einen staunen und nachdenken lassen. Und natürlich wollen wir auch eine eigene Wunderkammer herstellen. Wenn du magst, bring doch etwas zum Wundern mit!

Für Kinder von 7 bis 10 Jahren | Anmeldung unter Telefon 040-22 70 20 14 | Mit freundlicher Unterstützung der Saga GWG Stiftung Nachbarschaft und der Hamburger Kunsthalle und dem Medienpartner NDR Info

hamburger kunsthalle, donnerstag, 25. november, 15.30 uhr, euro 2,-

verleihung der förderpreise für literatur und literarische übersetzungen
Die Behörde für Kultur, Sport & Medien zeichnet Autoren und Übersetzer aus

Auch in diesem Jahr stellen sich die Sieger im großen Förderpreis-wettbewerb der Behörde für Kultur, Sport und Medien vor. Aus den zirka 230 Einsendungen wählt die Jury, bestehend aus Jan-Frederik Bandel, Daniel Beskos, Helmut Frielinghaus, Susanne Höbel und Friederike Moldenhauer, sechs Förderpreisträger für Literatur und drei Preisträger für Literarische Übersetzungen aus. Senator Reinhard Stuth spricht ein Grußwort für den Senat und übereicht die Urkunden. Die Preisträger werden anschließend von der Jury vorgestellt und kurz laudiert. Sie geben Kostproben von ihren prämierten Texten.

Die Veranstaltung ist ein beliebter Treffpunkt der Hamburger Literaturszene, die in diesem Jahr auch den wunderbaren neuen, den 12. Hamburger Ziegel besichtigen und erwerben kann. Das stets friedliche, aufmerksame und teilnahmsvolle Publikum erhält eine schlanke Beköstigung vom Kulturamt. Trotz der ewig sich zugespitzt habenden Haushaltssituation wird dieser Brauch selbstverständlich beibehalten. Um pünktliches Erscheinen wird dringend gebeten!

literaturhaus, montag, 29. november, 19.30 uhr, eintritt frei

toter salon spezial: f.w. bernstein
Stargast: F.W. Bernstein
Gastgeber: Gerhard Henschel und Richard Christian Kähler

„Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.”

Manchmal werden diese klassischen Verszeilen irrtümlich Robert Gernhardt zugeschrieben und bisweilen auch Kurt Tucholsky, doch in Wirklichkeit stammen sie von Prof. Fritz Weigle alias F.W. Bernstein, einem der großen Veteranen der humoristischen Kleinkunst in Deutschland. 1964 trat er in die Redaktion der jungen Satirezeitschrift „Pardon” ein, wo er unter anderem gemeinsam mit Robert Gernhardt und F.K. Waechter die legendären „WimS”-Nonsensseiten betrieb, 1979 gehörte er zu den Gründern und Taufpaten des Nachfolgemagazins „Titanic”, und seit einem halben Jahrhundert, in dem er wie nebenbei ein hochkomisches Lebenswerk schuf, nimmt er es in Wort und Bild so wacker mit der Welt auf wie in seinem unsterblichen Gedicht über einen wandelnden Schrank: „Horch – ein Schrank geht durch die Nacht, / voll mit nassen Hemden … / den hab ich mir ausgedacht, / um Euch zu befremden.”

Die Gastgeber Gerhard Henschel und Richard Christian Kähler, die ebenfalls für das Satiremagazin „Titanic“ gearbeitet haben, freuen sich auf den wohlgefüllten Kleiderschrank ihres legendären Stargasts wie auf ein Ding von einem anderen Stern. Kommen Sie, staunen Sie, und lachen Sie sich schnell noch einmal tot, bevor die Welt, wie wir sie kannten, dann vielleicht endgültig zugrunde geht: „Apokalypsen-Programm / Montag geht die Welt zugrunde / Dienstag regnet’s und ist kalt / Mittwoch um die zehnte Stunde / wird kein Geld mehr ausgezahlt / Donnerstag nur Feuersbrünste / Freitag früh ist Jüngster Tag / Samstag Ende aller Künste / und zwar ZACK auf einen Schlag / Sonntag herrscht dann endlich Ruhe / und die Straßen wüst und leer / auf der Post noch ein Getue / Pst – nun ist auch das nicht mehr.”
Medienpartner NDR Info

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